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Warum Therapeuten Patienten fachübergreifend überweisen: Leitfaden 2026

  • Autorenbild: Sylvia Leifheit
    Sylvia Leifheit
  • vor 5 Tagen
  • 12 Min. Lesezeit

Fachkraft prüft gedruckte Überweisungsunterlagen

Therapeuten überweisen Patienten an verschiedene Therapieformen, da keine einzelne Therapie alle Dimensionen des menschlichen Erlebens abdecken kann. Ein Patient, der beispielsweise neben chronischen Schmerzen auch an Depressionen leidet, benötigt möglicherweise eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT), um Denkmuster zu verändern, einen körperorientierten Ansatz zur Linderung körperlicher Verspannungen und Achtsamkeitsübungen, um das Nervensystem langfristig zu regulieren. Die Überweisung an verschiedene Therapieformen ist kein Ausweg, sondern die Grundlage einer durchdachten, patientenzentrierten Versorgung.

 

Die Hauptgründe dafür:

 

  • Eine einzelne Behandlungsmethode kann oft nicht die gesamte Komplexität des Krankheitsbildes eines Patienten erfassen.

  • Verschiedene Therapien verfügen über unterschiedliche wissenschaftliche Grundlagen, die auf spezifische Symptome oder Erkrankungen abgestimmt sind.

  • Patienten reagieren unterschiedlich, und was bei einer Person funktioniert, muss nicht zwangsläufig bei einer anderen funktionieren.

  • Gemeinsame Überweisungen verringern Behandlungslücken und verhindern redundante oder widersprüchliche Interventionen.

  • Die interdisziplinäre Versorgung verbessert die Patientenzufriedenheit, indem sie individuelle Präferenzen und gelebte Erfahrungen berücksichtigt.

  • Interdisziplinäre Überweisungspraktiken erweitern das Wissen der Fachkräfte und stärken das gesamte Versorgungsnetzwerk.

 

Welche Therapieformen werden von den Therapeuten üblicherweise angewendet?

 

Eine Therapieform ist ein strukturierter Behandlungsansatz mit eigenem theoretischen Rahmen, eigenen Techniken und eigener wissenschaftlicher Grundlage. Therapeuten greifen je nach Bedarf, Diagnose und Zielen des Patienten auf ein breites Spektrum an Formen zurück. Zu verstehen, was die einzelnen Formen auszeichnet, ist der erste Schritt, um zu wissen, wann eine Überweisung sinnvoll ist.

 

  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Ein strukturierter, gegenwartsbezogener Ansatz, der die Wechselwirkung zwischen Gedanken, Gefühlen und Verhalten untersucht. Die Wirksamkeit der KVT bei Depressionen, Angststörungen und Schlaflosigkeit ist wissenschaftlich belegt, und sie wird in klinischen Leitlinien häufig als Erstlinientherapie empfohlen.

  • Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT): Basierend auf Erkenntnissen der Verhaltenswissenschaft unterstützt ACT Patienten dabei, psychische Flexibilität zu entwickeln, indem sie schwierige Gedanken akzeptieren, anstatt gegen sie anzukämpfen. Sie ist besonders wirksam bei chronischen Schmerzen, Angstzuständen und Erkrankungen, bei denen Vermeidung ein zentrales Merkmal ist.

  • Dialektische Verhaltenstherapie (DBT): Ursprünglich für die Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt, kombiniert die DBT kognitiv-verhaltenstherapeutische Techniken mit Achtsamkeitsübungen und Strategien zur Stresstoleranz. Sie wird heute häufig bei emotionaler Dysregulation, Selbstverletzung und Essstörungen eingesetzt.

  • Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR): Eine traumafokussierte Therapie, die mit bilateraler Stimulation arbeitet, um Patienten bei der Verarbeitung belastender Erinnerungen zu unterstützen. EMDR ist in der Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) gut belegt und wird zunehmend auch bei Trauer, Phobien und komplexen Traumata eingesetzt.

  • Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie (MBCT): Kombiniert Achtsamkeitsmeditation mit Prinzipien der kognitiven Therapie. MBCT ist besonders gut belegt zur Vorbeugung von Rückfällen bei wiederkehrender Depression und zur Behandlung von Angstzuständen bei Patienten, die auf eine alleinige kognitive Verhaltenstherapie nicht ausreichend angesprochen haben.

 

Darüber hinaus arbeiten die Therapeuten auch mit somatischen Therapien, motivierender Gesprächsführung, psychodynamischen Ansätzen und integrativen Wellness-Modalitäten, die physische, emotionale und verhaltensbezogene Dimensionen gemeinsam angehen.

 

Warum Therapeuten Patienten fachübergreifend überweisen

 

Die ehrlichste Antwort ist, dass die Bedürfnisse von Patienten selten einfach sind. Ein in kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) ausgebildeter Therapeut mag zwar für die Angstzustände eines Patienten geeignet sein, doch wenn dieser Patient zusätzlich ein ungelöstes Trauma hat, reicht KVT allein möglicherweise nicht aus. EMDR hingegen könnte helfen. Dies zu wissen und die Überweisung entsprechend auszusprechen, zeugt von klinischer Kompetenz und ist keine Einschränkung.

 

Mehrere spezifische Faktoren veranlassen Überweisungen an andere Behandlungsmodalitäten:

 

  • Komplexe oder vielschichtige Krankheitsbilder: Patienten mit gleichzeitig auftretenden Erkrankungen, wie z. B. PTSD neben Substanzmissbrauch oder Depression neben chronischer Krankheit, benötigen oft mehr als einen evidenzbasierten Ansatz, der parallel angewendet wird.

  • Modalitätsspezifische Evidenz: Manche Erkrankungen sprechen besser auf bestimmte Therapien an. EMDR ist bei Traumata besser wissenschaftlich belegt als die allgemeine Gesprächstherapie. MBCT wird insbesondere bei rezidivierender Depression unterstützt. Die Wahl der am besten geeigneten Modalität für das jeweilige Problem ist eine klinische Entscheidung, keine Frage der Präferenz.

  • Therapiestillstand: Wenn bei einem Patienten keine Fortschritte mehr erzielt werden, kann dies darauf hindeuten, dass die aktuelle Behandlungsmethode für ihn an ihre Grenzen gestoßen ist. Eine Überweisung an einen Facharzt ermöglicht neue Perspektiven und Techniken, ohne die bestehende Beziehung zu beeinträchtigen.

  • Patientenpräferenzen und -beteiligung: Patienten, deren Präferenzen berücksichtigt werden, bleiben eher aktiv in die Therapie eingebunden. Wenn sich jemand zu Achtsamkeitsübungen oder somatischen Therapien hingezogen fühlt, verbessert die Berücksichtigung dieser Präferenz durch eine entsprechende Überweisung in der Regel die Therapietreue.

  • Grenzen der ärztlichen Tätigkeit: Therapeuten überweisen Patienten an Spezialisten, wenn deren Bedürfnisse außerhalb ihrer Ausbildung liegen. Dies ist sowohl eine ethische als auch eine praktische Verpflichtung. Eine Überweisung bedeutet nicht den Verlust eines Patienten, sondern verbessert die Qualität seiner Behandlung.

  • Ganzheitliche Behandlung: Psychische, physische und emotionale Gesundheit sind eng miteinander verbunden. Ein Therapeut, der mit chronischem Stress arbeitet, kann an einen Therapeuten verweisen, der direkt mit dem Körper arbeitet, da er erkennt, dass psychologische Arbeit allein physiologische Muster möglicherweise nicht auflösen kann.

 

Wie interdisziplinäre Überweisungen die Patientenergebnisse verbessern

 

Die Evidenz für eine kooperative, multimodale Versorgung ist eindeutig. Eine 2025 in BMC Medicine veröffentlichte Übersichtsarbeit zeigte, dass die fachübergreifende, kooperative Versorgung die Lebensqualität von Patienten mit komplexen Erkrankungen verbessert, indem sie Wissensaustausch ermöglicht, eine zeitnahe Überweisung erlaubt und die Behandlung im Rahmen eines patientenzentrierten Ansatzes individualisiert. Patienten in fachübergreifenden Versorgungsmodellen berichteten von einer besseren subjektiven Krankheitskontrolle, positiveren Erfahrungen mit der gemeinsamen Entscheidungsfindung und einem stärkeren Gefühl, von ihrem Behandlungsteam verstanden zu werden.

 

Fragmentierte Versorgung hingegen richtet echten Schaden an. Wenn Behandler isoliert voneinander arbeiten, tragen Patienten mit mehreren Erkrankungen Informationen oft selbst zwischen den verschiedenen Anbietern hin und her, was zu Missverständnissen, widersprüchlichen Ratschlägen und verzögerter Diagnose führt. Ein isolierter Ansatz konzentriert sich einseitig auf die Unterdrückung eines einzelnen Symptoms oder einer Erkrankung, während das Gesamtbild des Wohlbefindens des Patienten unberücksichtigt bleibt.

 

Zu den spezifischen Vorteilen von interdisziplinären Überweisungen für Patienten gehören:

 

  • Reduzierung der Symptomlast durch Ansätze, die mehrere beitragende Faktoren gleichzeitig berücksichtigen

  • Höheres Engagement, da die Patienten eine ihren Bedürfnissen und Präferenzen entsprechende Versorgung erhalten.

  • Weniger redundante oder widersprüchliche Interventionen durch aktive Kommunikation der Leistungserbringer.

  • Bessere Behandlung von Mehrfacherkrankungen, die von einem einzelnen Fachgebiet nicht vollständig abgedeckt werden können.

  • Verbesserte Kontinuität der Versorgung, da jeder Leistungserbringer darüber informiert ist, was die anderen tun.

 

Eine im Jahr 2025 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse ergab, dass multidisziplinäre Teamarbeit außerhalb von Krankenhäusern die meisten patientenberichteten Ergebnisse, einschließlich Selbstwirksamkeit, Lebensqualität und Zufriedenheit, effektiv verbesserte, insbesondere bei Patienten, die chronische Erkrankungen im ambulanten oder primärärztlichen Bereich behandeln.

 

Kooperative Versorgungsmodelle, die modalitätsübergreifende Überweisungen unterstützen

 

Das Verständnis des Unterschieds zwischen interprofessioneller und multidisziplinärer Zusammenarbeit ist entscheidend für die praktische Umsetzung von Überweisungen. Bei der multidisziplinären Zusammenarbeit arbeiten Fachkräfte verschiedener Disziplinen zusammen, wobei jede ihren Schwerpunkt auf ihr eigenes Spezialgebiet legt. Die interprofessionelle Zusammenarbeit geht noch einen Schritt weiter: Die Behandler arbeiten gemeinsam an einem einheitlichen, patientenzentrierten Behandlungsplan, in dem alle Perspektiven unter Berücksichtigung der gesamten Situation des Patienten und nicht nur seiner Diagnose abgewogen werden.


Infografik zur Veranschaulichung der Schritte im Überweisungsprozess

Eine in PLOS One veröffentlichte Studie ergab, dass interprofessionelle Treffen in Form von Rundtischen mit einem designierten Vorsitzenden und auf gemeinsame patientenzentrierte Ziele ausgerichteten Diskussionen eine bessere Zusammenarbeit und mehr Lernerfolge unter den Beteiligten ermöglichten als herkömmliche multidisziplinäre Formate. Die strukturellen Details waren entscheidend. Ein runder Tisch veränderte die Machtverhältnisse im Raum grundlegend.

 

Elektronische Konsultationssysteme (eConsult) haben sich als praktisches Instrument für die Verwaltung von Überweisungen zwischen verschiedenen Fachrichtungen etabliert, ohne dass ein persönlicher Facharztbesuch erforderlich ist. Das Projekt CORE der AAMC beschreibt eConsults als elektronische Konsultationen zwischen Hausarzt und Facharzt, die Patienten zeitnah Zugang zu Expertenwissen ermöglichen und gleichzeitig die Kontinuität der Behandlung durch ihren Hausarzt gewährleisten. Bei weniger komplexen Fragestellungen reduzieren eConsults die Belastung für Patienten und Fachärzte und erhalten die Beziehung zum Hausarzt aufrecht.

 

Die Einführung des elektronischen Überweisungssystems des San Francisco Health Plan am UCSF/SFGH ist ein konkretes Beispiel. Vor der Einführung des Systems betrugen die Wartezeiten für reguläre Facharzttermine in der Gastroenterologie-Klinik bis zu elf Monate. Nach der Implementierung sank diese Wartezeit auf vier Monate, ohne dass die Kapazität der Klinik erhöht wurde. Dies lag vor allem daran, dass Überweisungen gegebenenfalls priorisiert, weitergeleitet oder ohne Termin bearbeitet wurden.

 

Kollaborationsmodell

Hauptmerkmal

Patientennutzen

Interprofessionell

Einheitlicher, patientenzentrierter Behandlungsplan

Einheitliche, koordinierte Versorgung durch alle Leistungserbringer

Multidisziplinär

Fachspezifische Pläne laufen parallel

Zugang zu vielfältigem Fachwissen, wenn auch weniger integriert

eConsult-Systeme

Asynchrone Fachberatung ohne Praxisbesuch

Schnellerer Zugang, geringere Kosten, Kontinuität der hausärztlichen Versorgung gewährleistet

Gemeinsame Betreuung

Spezialist im primärärztlichen Versorgungsumfeld

Einfachere Fallbesprechung, höheres Vertrauen in Überweisungen

Profi-Tipp: Beim Aufbau eines Überweisungsnetzwerks sollten Sie Anbieter bevorzugen, die nach der Behandlung Ihrer Patienten zeitnah und präzises Feedback geben. Studien zur interprofessionellen Zusammenarbeit zeigen, dass regelmäßiges Feedback Wissenslücken schließt, Vertrauen schafft und die Wahrscheinlichkeit und den Erfolg zukünftiger Überweisungen erhöht.

 

Bewährte Verfahren für effektive Überweisungen über verschiedene Modalitäten hinweg

 

Eine Überweisung ist nur so gut wie die Kommunikation, die sie begleitet. Die formalen Abläufe sind genauso wichtig wie die klinische Entscheidung.

 

  • Nutzen Sie strukturierte Überweisungsvorlagen. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 ergab, dass mehrkomponentige Interventionen, die Überweisungsleitlinien, Vorlagen und kollegiales Feedback kombinierten, die Überweisungsraten und -qualität signifikant verbesserten und gleichzeitig unangemessene Überweisungen reduzierten. Vorlagen beseitigen Unklarheiten und geben dem behandelnden Arzt alle notwendigen Informationen für einen effektiven Start.

  • Überweisungen sollten als Ergänzung und nicht als Ersatz verstanden werden. Patienten interpretieren Überweisungen manchmal als Abweisung oder Zurückweisung. Die Erklärung, dass die neue Behandlungsmethode ihre bestehende Versorgung ergänzt, anstatt sie zu ersetzen, erhält das Vertrauen und erhöht die Akzeptanz.

  • Schließen Sie den Feedback-Kreislauf. Bitten Sie den behandelnden Therapeuten nach der ersten Sitzung des Patienten um eine Rückmeldung. Dies ist kein Mikromanagement, sondern fördert eine Arbeitsbeziehung, in der beide Therapeuten im Laufe der Zeit voneinander lernen.

  • Beziehen Sie den Patienten in die Entscheidung ein. Patienten, die verstehen, warum sie überwiesen werden und bei der Entscheidung mitwirken konnten, befolgen die Überweisung eher. Ein offenes Gespräch über die Überweisung deckt zudem Bedenken auf, bevor diese zu Hindernissen werden.

  • Wenn möglich, sollten Sie eine gemeinsame Nutzung des Praxisraums oder eine virtuelle Konsultation in Betracht ziehen. Die Anwesenheit eines Spezialisten im selben Umfeld, selbst wenn nur gelegentlich, verändert den Überweisungsprozess. Ärzte können Fälle schnell besprechen, was das Vertrauen in die Überweisungsentscheidungen stärkt und unnötige Termine reduziert.

  • Bei der Vorstellung einer neuen Behandlungsmethode gegenüber einem skeptischen Kollegen sollten Sie zunächst auf Fakten verweisen. Ein Überweisungsgespräch mit den relevanten klinischen Daten und einem konkreten Patientenbeispiel ist in der Regel überzeugender als die bloße Darlegung persönlicher Präferenzen.

 

Profi-Tipp: Wenn Sie eine Methode erwähnen, mit der ein Kollege möglicherweise nicht vertraut ist, wie z. B. EMDR oder ACT, fassen Sie die wissenschaftliche Grundlage kurz in ein bis zwei Sätzen zusammen, bevor Sie die Anfrage stellen. Das mindert Widerstände und verdeutlicht, dass die Überweisung eine klinische Entscheidung und keine persönliche Präferenz ist.

 

Was genau bedeutet „Therapieform“?

 

Im Gesundheitswesen bezeichnet der Begriff „Modalität“ eine bestimmte Behandlungsmethode oder einen bestimmten Behandlungsansatz. Das Wort stammt vom lateinischen „modus“ ab, was so viel wie Art und Weise oder Methode bedeutet. In der Therapie beschreibt es nicht nur die Technik, sondern den gesamten theoretischen Rahmen, der dem Veränderungsprozess zugrunde liegt.

 

Die Beispiele sind vielfältig. Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) basiert auf der Annahme, dass Gedanken Gefühle und Verhalten steuern. EMDR arbeitet mit der Verarbeitung von Erinnerungen. Die dialektische Verhaltenstherapie (DBT) vermittelt Fähigkeiten zum Umgang mit Belastungen und zur Emotionsregulation. Die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie (MBCT) nutzt die Achtsamkeit im gegenwärtigen Moment, um depressive Gedankenspiralen zu unterbrechen. Jede Methode hat ihre eigenen Ausbildungsanforderungen, ihre eigene wissenschaftliche Grundlage und ihre spezifische Patientengruppe, bei der sie in der Regel am wirksamsten ist.

 

Diese Unterscheidung ist für Überweisungen wichtig, denn das Wissen um den Zweck einer Behandlungsmethode bestimmt, wann sie angewendet werden sollte und wann eine Überweisung auf eine andere Methode ratsam ist. Ein Therapeut, der die Ethik ganzheitlicher Ansätze ebenso wie konventionelle Methoden versteht, kann Überweisungsentscheidungen besser treffen, die dem Patienten wirklich dienen.

 

Wie wählt man die richtige Modalität für eine Überweisung aus?

 

Die Auswahl der geeigneten Überweisungsmodalität erfordert mehr als nur die Zuordnung einer Diagnose zu einer Behandlungsbezeichnung. Mehrere Faktoren beeinflussen die Entscheidung:

 

  • Symptome und Diagnose: EMDR bei Trauma, DBT bei emotionaler Dysregulation, MBCT bei rezidivierender Depression. Die Studienlage zu den einzelnen Methoden weist auf spezifische Indikationen hin, bei denen sie ihre besten Ergebnisse erzielen.

  • Vorgeschichte und Ansprechen auf frühere Behandlungen: Wenn ein Patient bereits eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ohne ausreichenden Fortschritt versucht hat, kann die Überweisung zu einer Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) oder EMDR das angehen, was die KVT nicht erreicht hat.

  • Patientenpräferenzen und -bereitschaft: Ein Patient, der strukturierten Hausaufgaben skeptisch gegenübersteht, wird sich möglicherweise nicht gut auf das Format der kognitiven Verhaltenstherapie einlassen. Ein Patient, der sich zu körperorientierter Wahrnehmung hingezogen fühlt, spricht möglicherweise besser auf somatische oder achtsamkeitsbasierte Ansätze an.

  • Verfügbarkeit und Erreichbarkeit von Behandlern: Die optimale klinische Übereinstimmung ist nur dann sinnvoll, wenn der Patient sie auch tatsächlich in Anspruch nehmen kann. Geografische Verfügbarkeit, Kosten und Wartezeiten spielen bei einer realistischen Überweisungsentscheidung eine entscheidende Rolle.

  • Tätigkeitsbereich und Ausbildung: Wenden Sie sich an Therapeuten mit einer spezifischen Ausbildung in der von Ihnen empfohlenen Methode. Ein allgemeiner Therapeut und ein zertifizierter EMDR-Therapeut sind in der Traumatherapie nicht austauschbar.

  • Multimorbidität: Patienten mit mehr als einer Erkrankung benötigen möglicherweise gleichzeitig Überweisungen an verschiedene Behandlungsmethoden. Eine klare Kommunikation zwischen den Behandlern ist wichtig, um widersprüchliche Empfehlungen zu vermeiden.

 

Kommunikationsstrategien, die interdisziplinäre Überweisungen zum Erfolg führen

 

Mangelhafte Kommunikation ist der häufigste Grund für das Scheitern von Überweisungen. Der Patient geht zwischen den verschiedenen Behandlern verloren, oder der aufnehmende Arzt beginnt ohne ausreichenden Kontext, um effektiv arbeiten zu können.


Leerer Konferenzraum bereit für die Besprechung des Pflegeteams

Strukturierte Kommunikationsinstrumente verringern dieses Risiko. Ein Überweisungsschreiben oder eine Vorlage, die das Hauptanliegen des Patienten, die relevante Vorgeschichte, die aktuelle Behandlung und die konkrete Fragestellung enthält, die der andere Behandler beantworten soll, bietet dem empfangenden Arzt einen klaren Ausgangspunkt. Unklare Überweisungen führen zu unklaren Ergebnissen.

 

Die fortlaufende Kommunikation ist genauso wichtig wie die anfängliche Übergabe. Studien zum interprofessionellen Feedback zeigen, dass zeitnahe und präzise Rückmeldungen des empfangenden Arztes Vertrauen schaffen und Wissenslücken beim überweisenden Arzt schließen. Mit der Zeit verbessert dieser Feedback-Kreislauf die Fähigkeit beider Ärzte, den jeweils anderen Arzt zu kontaktieren und die beste Vorgehensweise zu wählen.

 

Bei Patienten mit komplexen Bedürfnissen gewährleisten regelmäßige Fallbesprechungen – ob persönlich, telefonisch oder über eine gemeinsame elektronische Patientenakte – die Abstimmung aller Beteiligten. Qualitative Studien zur multimodalen Versorgung chronisch Kranker identifizierten regelmäßige Teamsitzungen und das gemeinsame Bestreben, Patienten als ganze Personen zu behandeln, als zwei der wichtigsten Merkmale effektiver integrativer Behandlungsteams.

 

Herausforderungen, denen sich Therapeuten bei interdisziplinären Überweisungen gegenübersehen

 

Überweisungen zwischen verschiedenen Behandlungsmodalitäten verlaufen nicht immer reibungslos. In der Praxis treten immer wieder mehrere Hindernisse auf.

 

Wissenslücken zählen zu den am häufigsten genannten Gründen. Hausärzte, die mit einer Behandlungsmethode nicht vertraut sind, werden diese – unabhängig von der Evidenzlage – wahrscheinlich nicht anwenden. Eine qualitative Studie unter Hausärzten ergab, dass mangelndes Wissen über die Wirksamkeit einer Therapie bei bestimmten Erkrankungen ein Haupthindernis für deren Empfehlung darstellt und dass sich die Ärzte kurze, zielgerichtete Informationsmaterialien wünschen, um diese Lücke zu schließen.

 

Machtverhältnisse und berufliche Hierarchien können Überweisungen in multidisziplinären Teams einschränken. Wenn eine Fachrichtung eine Teamsitzung dominiert oder den Zugang zu anderen Leistungserbringern kontrolliert, werden Überweisungen eher zu einer Kontrollinstanz als zu einer kooperativen Zusammenarbeit. Studien zu interprofessionellen Besprechungen haben gezeigt, dass die Überrepräsentation einer einzelnen Fachrichtung und starke hierarchische Strukturen die Beteiligung anderer Leistungserbringer verringern und die für Patienten in Betracht gezogenen Behandlungsoptionen einschränken.

 

Logistische Hürden sind real und werden oft unterschätzt. Fehlende Praxisräume für die gemeinsame Behandlung, inkompatible elektronische Patientenakten, geografische Distanz und Finanzierungsstrukturen, die Kooperationsmodelle nicht unterstützen, führen zu Reibungsverlusten. Systeme für elektronische Konsultationen (eConsult) können einige dieser Hürden überwinden, insbesondere für Patienten in unterversorgten Gebieten mit eingeschränktem Zugang zu Fachärzten.

 

Die Zurückhaltung der Patienten ist ein weiterer Faktor. In einer Studie lehnten 74 % der Patienten, die die Überweisungskriterien für eine Gedächtnisuntersuchung erfüllten, den Termin ab. Die Wahrnehmung der Notwendigkeit, die Stigmatisierung, die Kosten und der Zeitaufwand beeinflussen, ob eine Überweisung tatsächlich wahrgenommen wird. Ärzte, die die Gründe für die Überweisung klar erläutern und die Patienten in die Entscheidung einbeziehen, erzielen tendenziell höhere Umsetzungsraten.

 

Die Angst vor dem Verlust der Patientenbeziehung beeinflusst auch das Überweisungsverhalten. Therapeuten zögern mitunter, Patienten zu überweisen, weil sie befürchten, diese würden nicht wiederkommen. Wenn man die Überweisung als Ergänzung zur Behandlung und nicht als bloße Übergabe versteht, wird diese Sorge direkt angegangen und die therapeutische Beziehung in der Regel erhalten.

 

Wichtigste Erkenntnisse

 

Therapeuten überweisen Patienten an verschiedene Therapieformen, weil die Bedürfnisse der Patienten komplex sind und keine einzelne Therapie alle Dimensionen der Erfahrung eines Menschen abdecken kann.

 

Punkt

Details

Hauptgrund für die Überweisung

Komplexe, vielschichtige Patientenbedürfnisse erfordern die kombinierten Stärken mehrerer evidenzbasierter Behandlungsmethoden.

Kooperative Versorgung verbessert die Behandlungsergebnisse.

Die fachübergreifende Versorgung verbessert die Lebensqualität, die wahrgenommene Krankheitskontrolle und die Patientenzufriedenheit im Vergleich zu isolierten Vorgehensweisen.

Kommunikation ist der entscheidende Faktor

Strukturierte Vorlagen, zeitnahes Feedback und fortlaufende Fallbesprechungen entscheiden über Erfolg oder Misserfolg einer Überweisung.

Interprofessionelle Zusammenarbeit schlägt multidisziplinäre Zusammenarbeit

Gemeinsame, patientenzentrierte Ziele und Gesprächsrunden führen zu einer besseren Zusammenarbeit als fachspezifische, parallele Planung.

Hindernisse sind überwindbar

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Wirbelsäule

 

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Häufig gestellte Fragen

 

Was bedeutet „Modalität“ im Gesundheitswesen?

 

Eine Modalität im Gesundheitswesen bezeichnet eine spezifische Behandlungsmethode oder einen Behandlungsansatz mit jeweils eigenem theoretischen Rahmen, eigenen Techniken und eigener Evidenzbasis. Beispiele hierfür sind CBT, EMDR, DBT, ACT und MBCT.

 

Warum sind Therapieformen wichtig?

 

Verschiedene Behandlungsmethoden zielen auf unterschiedliche Aspekte der Patientenerfahrung ab. Da keine einzelne Methode für jede Erkrankung oder jeden Patienten geeignet ist, ermöglicht die Vielfalt der verfügbaren Methoden den Behandlern, die Therapie präziser auf die individuellen Bedürfnisse abzustimmen.

 

Was sind Beispiele für Therapieformen?

 

Gängige Beispiele sind die kognitive Verhaltenstherapie (CBT), die dialektische Verhaltenstherapie (DBT), die Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR), die Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) und die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie (MBCT).

 

Warum überweisen Ärzte Patienten an andere Behandlungsmethoden?

 

Therapeuten verweisen auf andere Behandlungsmethoden, wenn die Bedürfnisse eines Patienten den Rahmen eines einzelnen Ansatzes übersteigen, wenn eine andere Therapie für eine bestimmte Erkrankung stärkere Evidenz aufweist oder wenn der Patient ein Plateau erreicht hat und eine neue Perspektive hilfreich sein könnte.

 

Welchen Nutzen haben Patienten von einer modalitätsübergreifenden Überweisung?

 

Patienten erhalten eine individuellere und umfassendere Betreuung, die verschiedene Aspekte ihrer Erkrankung berücksichtigt. Studien belegen, dass die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen die Lebensqualität, die Patientenzufriedenheit und die Kontinuität der Behandlung im Vergleich zu spezialisierten Ansätzen verbessert.

 

Verfasst von Sylvia Leifheit

 

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