Apps für mentale Gesundheit: MindDoc, HelloBetter, Selfapy und was fehlt

MindDoc, HelloBetter und Selfapy sind drei sehr unterschiedliche Apps, und der wichtigste Unterschied steht nicht im Funktionsumfang, sondern im Status. HelloBetter und Selfapy bieten digitale Kurse an, die als „Digitale Gesundheitsanwendung“ (DiGA) im Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geführt werden. Sie lassen sich auf Rezept von der Ärztin, dem Arzt oder einer Psychotherapeutin verordnen, und die gesetzliche Krankenkasse übernimmt dann die Kosten. MindDoc ist vor allem als Begleiter für Stimmung und Selbstbeobachtung bekannt und lässt sich nach meiner Recherche nicht auf diesem Weg verordnen. Alle drei haben dieselbe Grenze: Sie begleiten dich zwischen Terminen oder überbrücken eine Wartezeit, aber sie sind keine Person, die dich kennt, dich sieht und dich weiterschickt, wenn es nötig wird. Dieser Artikel erklärt, was jede App leistet, wie du an eine DiGA kommst, was Apps nicht können und wie du den Weg zu einem Menschen findest.
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Drei Apps, drei verschiedene Aufgaben
Der Vergleich „MindDoc gegen HelloBetter gegen Selfapy“ führt in die Irre, weil die Apps nicht dasselbe tun. Bevor du eine auswählst, hilft eine einfache Frage: Willst du dich selbst besser verstehen, willst du ein strukturiertes Programm durcharbeiten, oder suchst du einen Menschen, der mit dir spricht?
Selbstbeobachtung und Orientierung: Hier liegt der Schwerpunkt von MindDoc. Du hältst Stimmungen fest, erkennst Muster und bekommst Anregungen. Das ist ein Werkzeug, um dich besser zu verstehen, keine Behandlung.
Strukturiertes Kursprogramm: Hier liegen HelloBetter und Selfapy. Du arbeitest über mehrere Wochen Module durch, die auf bestimmte Beschwerden zugeschnitten sind, etwa Depression, Panik oder Stress. Beide Anbieter nennen ihre Programme Online-Kurse.
Ein Mensch, der zuhört: Das leistet keine der drei als Kern. Dafür brauchst du eine Fachperson, und genau hier beginnt die Lücke, um die es weiter unten geht.
Wenn du nur wissen willst, ob es dir an manchen Tagen schlechter geht, ist die erste Gruppe richtig. Wenn dich eine konkrete Belastung seit Wochen begleitet und du etwas Anleitendes brauchst, ist die zweite Gruppe der nächste Schritt.
Was eine DiGA ist und warum das für dich zählt
DiGA steht für „Digitale Gesundheitsanwendung“. Der Begriff wird oft mit „App auf Rezept“ übersetzt. Eine App darf sich so nennen, wenn das BfArM sie geprüft und in sein Verzeichnis aufgenommen hat. Dort stehen Angaben zu Anwendungsgebiet, Nutzennachweis und Kosten. Das Verzeichnis findest du unter diga.bfarm.de.
Zwei Dinge sind wichtig. Erstens gibt es vorläufig und dauerhaft aufgenommene Anwendungen. Vorläufig aufgenommene Apps haben ihren Nutzen noch nicht vollständig nachgewiesen und bekommen Zeit dafür. Dauerhaft gelistete Apps haben den Nachweis erbracht. Zweitens ändert sich das Verzeichnis. Anwendungen kommen hinzu, andere fallen heraus. Schau deshalb für jede App, die dich interessiert, im aktuellen Verzeichnis nach, statt dich auf eine Aussage in einem Artikel zu verlassen, auch auf diese hier.
Der praktische Vorteil: Bei einer verordneten DiGA zahlst du nichts. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten sie vollständig, und nach Herstellerangaben tragen in der Regel auch private Kassen die Kosten. Wie das bei deinem Tarif aussieht, klärt deine Kasse.
So kommst du an eine DiGA
Der Weg ist kürzer, als viele denken, und er hat zwei Eingänge.
1. Mit Rezept: Eine Ärztin, ein Arzt oder eine Psychotherapeutin verordnet die Anwendung auf einem Rezept. Du reichst es bei deiner Krankenkasse ein. Die Kasse schickt dir einen Freischaltcode, den du in der App eingibst.
2. Ohne Rezept, mit Diagnose: Du kannst dich auch direkt an deine Krankenkasse wenden und nachweisen, dass die Diagnose zum Anwendungsgebiet der App passt. Welche Unterlagen die Kasse verlangt, ist unterschiedlich. Frag nach, bevor du Zeit verlierst.
Selfapy nennt für seine Kurse das Rezeptmuster 16, auf dem der Kursname eingetragen wird. Nach Angaben von HelloBetter belastet die Verordnung einer DiGA das Budget der verordnenden Praxis nicht. Für die Verordnung brauchst du deshalb keine Sonderregel in der Praxis.
Wichtig bleibt: Eine DiGA ist eine Verordnung für eine bestimmte Diagnose und kein Selbstbedienungsangebot. Was du als Beschwerde beschreibst, übersetzt die Fachperson in eine Diagnose, und erst dann zeigt sich, ob eine Anwendung passt.
HelloBetter: Kurse für bestimmte Beschwerden
HelloBetter ist als Anbieter mehrerer Online-Kurse bekannt, die sich jeweils einer Beschwerde widmen. Zu den Programmen zählen Kurse bei Depression, Panik und Stress oder Burnout, zum Teil in Verbindung mit körperlichen Erkrankungen wie Diabetes. Ob ein bestimmter Kurs gerade im Verzeichnis steht und ob er dauerhaft oder vorläufig gelistet ist, prüfst du im BfArM-Verzeichnis.
Was dich bei so einem Kurs erwartet, ist eher Training als Gespräch. Du arbeitest Module über Wochen durch, übst Techniken und beobachtest dich dabei. Das hilft vielen Menschen, vor allem bei leichteren bis mittleren Verläufen und wenn sie bereit sind, regelmäßig selbst zu üben. Es hilft weniger, wenn du dich gerade nicht in der Lage fühlst, dich zu strukturieren, oder wenn du vor allem das Gefühl brauchst, von jemandem gesehen zu werden.
Selfapy: Programm und Begleitung im Kurs
Selfapy arbeitet ebenfalls mit Online-Kursen und wird im DiGA-Verzeichnis geführt. Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen vollständig, wie der Anbieter in seinen Verordnungshilfen angibt. Der Aufbau ähnelt dem von HelloBetter: Module, Übungen, ein Ablauf über mehrere Wochen.
Der Unterschied liegt im Detail der jeweiligen Kurse und in der Begleitung, die dazugehört. Welche Form der Unterstützung ein Kurs genau bietet, steht in der Beschreibung im Verzeichnis und auf der Seite des Anbieters. Lies sie, bevor du dich entscheidest. Ein Kurs mit regelmäßigem menschlichem Kontakt fühlt sich anders an als ein reines Selbstlernprogramm.
MindDoc: Selbstbeobachtung statt Verordnung
MindDoc wird meist als Begleiter für Stimmung und psychische Gesundheit beschrieben. Du trägst ein, wie es dir geht, und bekommst daraus ein Bild über Wochen. Für viele ist das der erste Schritt, weil sich vage Gefühle in Muster verwandeln: schlechtere Tage nach wenig Schlaf, Anspannung vor bestimmten Terminen.
Für MindDoc habe ich keinen Beleg gefunden, dass die App als DiGA verordnet werden kann. Wenn dir diese Frage wichtig ist, schau im BfArM-Verzeichnis nach und frag bei der Krankenkasse. Unabhängig davon taugt eine Stimmungsverfolgung am besten als Gesprächsgrundlage: Wer in der Praxis zeigen kann, wie die letzten acht Wochen verliefen, bekommt meist ein genaueres Gespräch als jemand, der sich an den Durchschnitt erinnern muss.
Was keine dieser Apps leistet
Diese Grenzen gelten für alle drei Apps:
Sie stellen keine Diagnose. Eine App kann Hinweise liefern, aber nicht beurteilen, ob hinter deiner Erschöpfung eine Depression, eine Schilddrüsenstörung, Schlafmangel oder alles zugleich steckt. Dazu braucht es eine ärztliche Abklärung.
Sie fangen keine Krise auf. Wenn du dir etwas antun möchtest oder dich nicht mehr sicher fühlst, ist eine App nicht die richtige Anlaufstelle. Die Nummern dafür stehen weiter unten.
Sie reagieren nicht auf dich als Mensch. Ein Kurs kennt Module, keine Biografie. Er weiß nicht, dass dich seit der Trennung abends die Stille erdrückt oder dass du dich beim Thema Arbeit anders verhältst als beim Thema Familie.
Sie lösen die Wartezeit nicht auf. Sie überbrücken sie. Der eigentliche Zugang zu einem Menschen bleibt eine eigene Aufgabe.
Sie verbinden nicht mit dem, was daneben hilft. Bewegung, Schlaf, Körperarbeit oder ein Gespräch in einer Gruppe tauchen in einer Kurs-App nur am Rand auf.
Wartezeit auf einen Therapieplatz: was gesichert ist
Viele greifen zur App, weil der Therapieplatz auf sich warten lässt. Die Zahlen dazu fallen je nach Quelle unterschiedlich aus, und das gehört zur ehrlichen Antwort.
Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hat in ihren Befragungen von Praxen lange Wartezeiten ermittelt. In ihrer Auswertung von 2018 lag der Durchschnitt bei rund fünf Monaten bis zum Beginn einer Richtlinienpsychotherapie. Eine neuere Studie aus dem Innovationsfonds, ES-RiP, hat 2024 Betroffene befragt und mit Kassendaten verknüpft. Danach gab die große Mehrheit an, innerhalb von drei Monaten einen ersten Termin gehabt zu haben, und zwei Drittel hielten die Wartezeit für kurz oder angemessen (Deutsches Ärzteblatt, *Wartezeiten in der Psychotherapie kürzer als bisher angenommen*).
Beide Befunde können stimmen: Ein erstes Gespräch ist schneller zu bekommen als ein laufender Behandlungsplatz, und auf dem Land dauert es länger als in der Stadt. Für dich heißt das: Erste Schritte lohnen sich schon vor dem Therapieplatz. Die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung erreichst du unter der Nummer 116 117. Sie vermittelt Termine für eine psychotherapeutische Sprechstunde, und eine App kann in der Zwischenzeit begleiten.
Was fehlt: der Weg von der App zum Menschen
Wenn du die drei Apps nebeneinanderlegst, fällt auf, was sie gemeinsam nicht beantworten: Wer ist der richtige Mensch für mich, und wie komme ich zu ihm?
Die Antwort ist selten ein einziger Weg. Manche brauchen eine Psychotherapeutin mit Kassenzulassung. Andere kommen mit einem Coach weiter, weil es um Entscheidungen und nicht um eine Erkrankung geht. Wieder andere erleben, dass ihnen Körperarbeit, Atemübungen oder eine Heilpraktikerin etwas geben, was Gespräche allein nicht geben. Und sehr oft ist es ein Nebeneinander: Hausärztin für die Abklärung, Therapie für die Verarbeitung, Bewegung oder Körperarbeit für den Alltag.
Eine Kurs-App führt dich durch ihr eigenes Programm und nirgendwo sonst hin. Ein Verzeichnis für Psychotherapeuten zeigt dir Psychotherapeuten und sonst nichts. Das Problem, vor dem die meisten stehen, liegt dazwischen: Sie wissen nicht, welche Art von Hilfe zu ihrer Lage passt, und sie müssen das an fünf verschiedenen Orten herausfinden. Diese Lücke macht den Einstieg mühsam.
So entscheidest du in zehn Minuten
Nimm dir Stift und Papier und beantworte vier Fragen.
1. Seit wann belastet mich das? Seit ein paar Tagen ist es meist ein Anlass zum Beobachten. Seit Wochen mit Einschränkungen im Alltag ist es ein Anlass für ein ärztliches oder therapeutisches Gespräch.
2. Was beeinträchtigt mich konkret? Schlaf, Konzentration, Appetit, Antrieb, Panik, Grübeln. Je genauer du das benennen kannst, desto besser findest du Kurs oder Fachperson.
3. Wie viel Struktur kann ich gerade tragen? Ein Kurs verlangt regelmäßiges Üben. Wenn dir das heute zu viel ist, brauchst du zuerst einen Menschen.
4. Was habe ich schon ausprobiert? Wer seit Jahren ähnliche Themen hat, braucht meist mehr als ein Kursprogramm.
Wenn du danach eher zu „strukturiertes Programm“ tendierst, sprich mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt über eine DiGA. Wenn du eher zu „ich brauche jemanden“ tendierst, suche direkt nach einem Menschen und nutze die App als Ergänzung.
Wo Spine App hineinpasst
Spine App ersetzt keinen der drei genannten Kurse und keine Behandlung. Sie ist für die Frage davor und daneben gedacht: Welche Hilfe passt zu mir, und wie komme ich zu einem Menschen?
Du erzählst im Chat, was gerade los ist, mit deinen Worten, und wählst selbst, ob dich schulmedizinische Hilfe, ganzheitliche Angebote oder beides interessiert. In den Ergebnissen stehen Ärzte, Therapeuten, Coaches, Heilpraktiker und ganzheitliche Anbieter, dazu Sitzungen, Veranstaltungen und Podcasts. Du siehst Profile mit Werdegang und freien Zeiten, kannst in Ruhe vergleichen und buchst die Sitzung über Spine App. Einzelne Profile tragen ein Verifizierungsabzeichen. Sterne gibt es nicht, Rückmeldungen erscheinen als Erfahrungsberichte auf Einladung. Nach einer Sitzung fragt Spine App von selbst nach, wie es dir geht, und das hilft dir und der Plattform, dich beim nächsten Mal besser zu begleiten.
Wenn du gerade nicht gleich buchen möchtest, kannst du im Bereich „Fragen & Gedanken“ eine Frage an die Gemeinschaft stellen oder Veranstaltungen ansehen. Die Nutzung ist kostenlos, bis du buchst, und läuft auf Deutsch, Englisch und Spanisch. Anbieter und Veranstaltungen ansehen
Wenn es dir gerade sehr schlecht geht
Eine App ist dafür nicht gemacht. Diese Stellen sind sofort erreichbar:
Telefonseelsorge: 0800 111 0 111, rund um die Uhr, kostenfrei, auch per Chat und Mail. Du musst nichts vorweisen, um anzurufen.
Notruf 112: bei akuter Gefahr für dich oder andere.
Terminservicestelle: 116 117, für einen Termin in der psychotherapeutischen Sprechstunde.
Hausärztin oder Hausarzt: der naheliegende erste Termin, auch für eine Krankschreibung und die Abklärung körperlicher Ursachen.
Wenn Gedanken an Suizid auftauchen, sprich noch heute mit einem Menschen. Ruf die Telefonseelsorge an oder geh in die nächste Notaufnahme.
*Stand: Verzeichnis und Angaben der Anbieter geprüft am 17.10.2026. Das BfArM-Verzeichnis ändert sich laufend.*
Häufige Fragen
Sind MindDoc, HelloBetter und Selfapy kostenlos?
HelloBetter und Selfapy bieten Kurse an, die als DiGA verordnet werden können. Wenn deine Kasse sie auf Rezept oder nach Antrag freigibt, zahlst du nichts. Für MindDoc kann ich keinen DiGA-Status belegen. Preise und Bedingungen findest du beim Anbieter und bei deiner Krankenkasse.
Was ist eine DiGA?
Eine Digitale Gesundheitsanwendung ist eine App oder Webanwendung, die das BfArM geprüft und in sein Verzeichnis aufgenommen hat. Sie lässt sich verordnen, und die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten. Das Verzeichnis steht online unter diga.bfarm.de.
Wie bekomme ich eine DiGA auf Rezept?
Ärztin, Arzt oder Psychotherapeutin stellen ein Rezept aus, du reichst es bei deiner Krankenkasse ein, und die Kasse schickt dir einen Freischaltcode für die App. Alternativ kannst du dich mit einer passenden Diagnose direkt an die Kasse wenden.
Ersetzt eine App eine Therapie?
Nein. Eine App kann bei leichteren Beschwerden eine gute Unterstützung sein und eine Wartezeit überbrücken. Bei anhaltender oder starker Belastung braucht es eine ärztliche oder therapeutische Abklärung.
Wie lange muss ich auf einen Therapieplatz warten?
Das hängt von Region und Art der Behandlung ab. Die Bundespsychotherapeutenkammer ermittelte 2018 im Schnitt rund fünf Monate bis zum Behandlungsbeginn, eine Studie aus 2024 zeigt kürzere Wartezeiten bis zum ersten Gespräch. Die Terminservicestelle unter 116 117 hilft bei der Suche nach einem Termin in der Sprechstunde.
Welche App passt zu mir?
Das hängt davon ab, was du brauchst. Zur Selbstbeobachtung eignet sich eine Stimmungs-App, für ein Programm über mehrere Wochen eine DiGA-Kurs-App, für ein Gespräch eine Fachperson. Hast du nicht klar, welche Art von Hilfe passt, hilft ein erstes Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt.
Wie finde ich neben einer Kurs-App einen Menschen zum Reden?
Über die Terminservicestelle 116 117 für die psychotherapeutische Sprechstunde, über die Hausarztpraxis oder über Spine App, wo du Ärzte, Therapeuten, Coaches, Heilpraktiker und ganzheitliche Anbieter nebeneinander siehst und die Sitzung buchen kannst.
Über Spine App
Spine App ist eine kostenlose App, die dich bei deiner Gesundheit begleitet: Sie führt dich zu echten Menschen, die helfen – schulmedizinisch, ganzheitlich oder beides –, lässt dich Sessions direkt buchen und fragt hinterher nach, was geholfen hat.
Geschrieben vom Spine App Editorial Team. Zuletzt aktualisiert Oktober 2026.
Spine App ist kostenlos: Finde Menschen, die helfen, und eine Gemeinschaft, die versteht. Jetzt laden: App Store · Google Play




