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Therapeutin, Coach oder etwas anderes: was die Plattformen wirklich tun

Autorenbild: Spine App Editorial Team
Spine App Editorial Team
vor 7 Tagen
8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 21 Stunden

Es gibt in Deutschland keine Liste, auf der alle stehen. Es gibt stattdessen ungefähr neun verschiedene Wege zu einer Behandlung oder Begleitung, und jeder Weg hat eine eigene Logik: eine eigene Eintrittsbedingung, eine eigene Grenze und jemanden, der ihn bezahlt. Wer bezahlt, entscheidet mit, wen du überhaupt zu sehen bekommst. Sobald du die Wege auseinanderhalten kannst, lautet die Frage nicht mehr „welche Plattform ist die beste", sondern „welcher Weg löst den Schritt, der als Nächstes dran ist".


Dieser Text sortiert die Wege. Er ist keine Rangliste.


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Kassensitz und die psychotherapeutische Sprechstunde


Der klassische Weg in die Richtlinienpsychotherapie führt über eine Praxis mit Kassenzulassung. Davor steht seit der Reform der Psychotherapie-Richtlinie immer die psychotherapeutische Sprechstunde. Sie ist Pflicht, bevor eine Behandlung beginnt, und sie klärt zwei Dinge: ob eine Psychotherapie überhaupt hilft und welches Verfahren passt. Am Ende bekommst du das Formular PTV 11 mit einem Vermittlungscode (116117.de, Psychotherapie).


Wofür der Weg taugt: für alles, was eine Diagnose hat und längere Behandlung braucht. Die Kasse zahlt, die Verfahren sind geprüft, die Qualifikation ist gesichert.


Wo er aufhört: an der Kapazität. Ein Sprechstundentermin ist kein Therapieplatz. Viele Menschen halten den Zettel in der Hand und stehen danach wieder am Anfang, nur mit mehr Papier.


Wer zahlt: die gesetzliche Krankenkasse.


Terminservicestelle 116 117


Mit dem Vermittlungscode aus der Sprechstunde kannst du die Terminservicestelle anrufen. Sie vermittelt innerhalb einer Woche einen Termin, der höchstens vier Wochen in der Zukunft liegen darf. Bei einer Akutbehandlung sind es maximal zwei Wochen (116117.de, Psychotherapie).


Wofür der Weg taugt: wenn du selbst schon zwanzig Praxen angerufen hast und niemanden erreichst. Die Stelle sucht für dich.


Wo er aufhört: vermittelt wird ein probatorischer Termin oder eine Akutbehandlung, nicht die ganze Therapie. Und du kannst dir die Person nicht aussuchen. Wenn es nicht passt, fängt die Suche wieder an.


Wer zahlt: die Kasse. Der Anruf selbst kostet nichts.


Akutbehandlung ohne Genehmigung


Bei einer schweren, akuten Belastung gibt es bis zu zwölf Gespräche zu je 50 Minuten, und dafür ist kein Antrag bei der Krankenkasse nötig (116117.de, Psychotherapie).


Wofür der Weg taugt: für die Zeit, in der du nicht warten kannst. Er überbrückt, stabilisiert, hält jemanden im Blick, bis etwas Längeres beginnt.


Wo er aufhört: zwölf Gespräche sind zwölf Gespräche. Die Akutbehandlung ist kein Ersatz für eine Therapie, sondern der Anlauf dorthin.


Wer zahlt: die Kasse, ohne Genehmigungsverfahren.


Wenn dein Zustand keinen Aufschub verträgt, ist der Weg ein anderer: die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 ist rund um die Uhr erreichbar, und bei akuter Gefahr wählst du die 112.


Kostenerstattung nach § 13 Abs. 3 SGB V


Wenn die Kasse eine unaufschiebbare Leistung nicht rechtzeitig erbringen kann, kannst du dir eine Behandlung außerhalb des Kassensystems selbst beschaffen und dir die Kosten erstatten lassen. Das ist der Auffangweg bei Systemversagen. Voraussetzung ist in der Regel der Nachweis, dass du erfolglos gesucht hast, plus das PTV 11 aus der Sprechstunde, in dem steht, dass dort kein Platz angeboten werden konnte (PTK NRW, Kostenerstattung für Psychotherapie gemäß § 13 Absatz 3 SGB V).


Wofür der Weg taugt: er öffnet dir Praxen ohne Kassensitz, während die Kasse trotzdem trägt.


Wo er aufhört: an der Bürokratie und an der Unsicherheit. Du musst dokumentieren, beantragen, manchmal widersprechen. Viele Kassen lehnen zunächst ab. Und du gehst mit dem Risiko in Vorleistung, dass die Zusage ausbleibt, während die Behandlung schon läuft. Lass dir die Zusage schriftlich geben, bevor du beginnst.


Wer zahlt: am Ende die Kasse, zwischendurch oft erst einmal du.


Privatpraxis und Selbstzahlung


Du buchst direkt, du zahlst direkt. Keine Antragslogik, keine Wartelisten im Kassensinn, keine Begrenzung auf die drei Richtlinienverfahren.


Wofür der Weg taugt: Tempo und Auswahl. Du entscheidest, wen du siehst, wie oft und wie lange. Auch Formate, die die Richtlinie nicht kennt, sind hier möglich.


Wo er aufhört: am Geld. Selbstzahlung ist die ehrlichste und die ungerechteste Tür zugleich. Wer sie sich leisten kann, wartet nicht. Wer nicht, wartet doppelt so lange.


Wer zahlt: du. Frag nach dem Honorar pro Sitzung, bevor du buchst, nicht danach.


Ausbildungsambulanzen der Hochschulen


An vielen Universitäten und Ausbildungsinstituten gibt es Ambulanzen, in denen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Aus- und Weiterbildung behandeln, unter Supervision erfahrener Approbierter.


Wofür der Weg taugt: die Wartezeiten sind dort oft kürzer als in den niedergelassenen Praxen derselben Stadt, und die Behandlung läuft über die Kasse. Supervision heißt auch: über deinen Fall denkt mehr als eine Person nach.


Wo er aufhört: an der Ortsgebundenheit und an der Aufnahmepraxis. Ambulanzen gibt es nur dort, wo ausgebildet wird, und sie nehmen nicht jedes Anliegen. Manche Ambulanzen sind an laufende Studien gekoppelt.


Wer zahlt: in der Regel die Kasse.


Digitale Gesundheitsanwendungen auf Rezept


Seit dem Digitale-Versorgung-Gesetz können Ärztinnen und Psychotherapeuten geprüfte Apps verordnen, die die Krankenkasse bezahlt. Das BfArM prüft dafür Sicherheit, Datenschutz, Qualität und den Nachweis eines positiven Versorgungseffekts und führt die Anwendungen in einem eigenen Verzeichnis, getrennt nach vorläufig und dauerhaft aufgenommen (BfArM, Digitale Gesundheitsanwendungen).


Wofür der Weg taugt: als Struktur zwischen den Terminen oder in der Wartezeit. Bei klar umrissenen Beschwerdebildern ist das mehr als nichts, und es ist geprüft.


Wo er aufhört: eine Anwendung ersetzt keinen Menschen. Sie hört nicht zu, sie erkennt keine Verschlechterung, und bei Krisen ist sie der falsche Adressat. Den Unterschied zwischen vorläufig und dauerhaft aufgenommen lohnt es sich anzuschauen, denn vorläufig heißt: der Wirksamkeitsnachweis läuft noch.


Wer zahlt: die Kasse, nach Verordnung.


Offene Verzeichnisse zum Selbstsuchen


Große Listen, in denen Behandelnde ein Profil anlegen und du nach Ort, Verfahren, Schwerpunkt und Abrechnungsart filterst. Du nimmst selbst Kontakt auf.


Wofür der Weg taugt: Überblick und Kontrolle. Du liest Profile, schreibst drei Leute an und entscheidest nach dem ersten Gespräch. Die Beziehung gehört danach dir, nicht dem Verzeichnis.


Wo er aufhört: ein bezahltes Profil ist kein Nachweis. Die meisten Verzeichnisse prüfen einmal bei der Anmeldung und verlassen sich danach darauf, dass die Angaben aktuell bleiben. Dazu kommt die Menge: zweihundert Treffer in deiner Stadt helfen dir weniger als zwanzig.


Wer zahlt: die Behandelnden, für den Eintrag. Das Verzeichnis hat also ein Interesse an vielen Profilen, nicht an einer kurzen Liste für dich.


Plattformen, die schulmedizinische und ganzheitliche Arbeit zusammen zeigen


Der letzte Typ trennt die Welt nicht in Medizin hier und alles andere dort. Du suchst einmal und siehst beides, und du entscheidest, was in deine Woche gehört.


Wofür der Weg taugt: für Situationen, die nicht nur eine Sache sind. Chronischer Schmerz mit Physiotherapie und einer Atempraxis. Trauer mit Beratung und einer Gruppe. Erschöpfung, bei der eine Hausärztin und eine Körperarbeiterin beide Teil der Antwort sind. Alles an einem Ort zu haben heißt, dass du nicht drei Suchen parallel pflegen musst.


Wo er aufhört: ganzheitliche Arbeit ist nicht so reguliert wie klinische. Breite verlagert also mehr Prüfarbeit zu dir zurück. Eine Plattform kann dir die Bandbreite zeigen. Sie kann eine Klangschale nicht zu einer psychiatrischen Abklärung machen, und du solltest misstrauisch werden, wenn irgendwo etwas anderes behauptet wird.


Wer sich Psychotherapeut nennen darf


Die Berufsbezeichnung „Psychotherapeut" ist gesetzlich geschützt. Führen dürfen sie nur Approbierte: Psychologische Psychotherapeutinnen, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und ärztliche Psychotherapeuten (Deutsches Ärzteblatt, Berufsbezeichnungen in der Psychotherapie: Zum Verwechseln ähnlich).


Daneben steht die Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie. Wer sie hat, darf heilkundlich arbeiten, aber die geschützte Bezeichnung nicht führen. Üblich ist deshalb „Heilpraktikerin für Psychotherapie". Die Erlaubnis wird über eine Überprüfung beim Gesundheitsamt erteilt, nicht über ein Studium.


„Coach" ist dagegen gar nicht geschützt. Jede und jeder darf das Wort verwenden, ohne jede Vorqualifikation. Das macht Coaching nicht wertlos, aber es verschiebt die ganze Beweislast auf die einzelne Person: Ausbildung, Supervision, Haftpflicht, Referenzen. Frag nach allen vier.


So prüfst du konkret:


  • Approbation: Die Psychotherapeutenkammer des jeweiligen Bundeslandes führt ein öffentliches Mitgliederverzeichnis. Dort suchst du den Namen.

  • Kassenzulassung: Ein Kassensitz setzt den Eintrag ins Arztregister der Kassenärztlichen Vereinigung voraus. Über die Arztsuche der KV siehst du, wer zugelassen ist.

  • Heilpraktikererlaubnis: Danach darfst du direkt fragen, und du darfst dir den Bescheid zeigen lassen.

  • Coaching: Lass dir die Ausbildung mit Stundenzahl nennen und frag, was außerhalb des Auftrags liegt. Eine gute Antwort enthält eine Grenze.


Kurz über die Grenze


Österreich. Der häufigste Weg führt über Wahlpsychotherapeutinnen: Du bezahlst das Honorar selbst und beantragst anschließend bei der ÖGK einen Kostenzuschuss pro Einzelsitzung. Voraussetzung sind eine krankheitswertige Störung, eine ärztliche Untersuchung spätestens vor der zweiten Sitzung und, ab der elften Sitzung, eine Bewilligung durch den Medizinischen Dienst der ÖGK (ÖGK, Psychotherapie). Vollfinanzierte Plätze über Vertragseinrichtungen gibt es, sie sind aber kontingentiert.


Schweiz. Seit Juli 2022 gilt das Anordnungsmodell. Psychologische Psychotherapie wird nicht mehr in Delegation über eine Arztpraxis abgerechnet, sondern direkt über die obligatorische Krankenpflegeversicherung, wenn eine Ärztin sie angeordnet hat (BAG, Neuregelung der psychologischen Psychotherapie ab 1. Juli 2022). Nach der Anordnung sind zunächst fünfzehn Sitzungen gedeckt, danach in Absprache weitere fünfzehn, anschließend braucht es eine Kostengutsprache des Versicherers. Franchise und Selbstbehalt bleiben.


Wie du die Wege kombinierst


Die meisten Menschen brauchen nicht einen Weg, sondern zwei nacheinander. Sprechstunde, um den Code zu haben. Akutbehandlung, um die Wartezeit auszuhalten. Kostenerstattung, wenn die Suche belegbar erfolglos war. Und parallel oft etwas, das nicht aus dem Kassensystem kommt: Bewegung, Körperarbeit, eine Gruppe, jemand, mit dem du regelmäßig sprichst, ohne dass es Behandlung heißt.


Genau dieses Nebeneinander bildet Spine App ab. Ein Begleiter für Körper, Seele und Geist, der konventionelle Medizin und ganzheitliche Arbeit in derselben Suche zeigt, über neun Inhaltstypen: Anbieter, Sitzungen, Veranstaltungen, Podcasts, Episoden, Beiträge in Bild und Video, Fragen und Gedanken, Sprachnotizen, Anzeigen. Ein Filter stellt auf konventionell, ganzheitlich oder beides. Ärztinnen und Ärzte erscheinen als externe Treffer aus öffentlichen Quellen über Google Maps, Anbieter erscheinen, wenn sie in der App sind. Einzelne Profile tragen ein Verifizierungsabzeichen, freiwillig und mit blauem Haken, wenn das Team Identität oder Qualifikation geprüft hat. Rückmeldungen gibt es als Erfahrungsberichte auf Einladung. Du siehst freie Zeiten und buchst deine Sitzung über Spine App, mit allen Beträgen vor dem Bezahlen. 175 Länder, drei Sprachen, eine Community mit Feed, Beiträgen, Kommentaren und Postfach. Herunterladen und durchsuchen kostet nichts. Anbieter ansehen


Frequently Asked Questions


Brauche ich für eine Psychotherapie eine Überweisung?

Nein. Du kannst dich direkt an eine psychotherapeutische Praxis wenden. Was vor der Behandlung steht, ist die psychotherapeutische Sprechstunde, nicht die Überweisung. Für eine Langzeittherapie braucht es später einen Konsiliarbericht einer Ärztin, der organische Ursachen abklärt.


Was mache ich mit dem Vermittlungscode auf dem PTV 11?

Mit diesem Code rufst du die Terminservicestelle unter 116 117 an. Sie vermittelt dir innerhalb einer Woche einen Termin zur Akutbehandlung oder zu einer probatorischen Sitzung. Heb das Formular auf, du brauchst es auch, falls du später die Kostenerstattung beantragst.


Lohnt sich die Kostenerstattung, oder zahle ich am Ende selbst?

Sie lohnt sich, wenn du die erfolglose Suche sauber dokumentiert hast und die schriftliche Zusage der Kasse vorliegt, bevor die Behandlung beginnt. Ohne Zusage im Voraus trägst du das Risiko. Führe eine Liste mit Datum, Praxis und Antwort.


Darf mich ein Coach behandeln, wenn es mir psychisch schlecht geht?

Nein. Coaching richtet sich an Menschen ohne Krankheitswert. Sobald eine behandlungsbedürftige Störung im Raum steht, gehört die Arbeit in approbierte Hände oder zu einer Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ein seriöser Coach sagt dir das von selbst.


Wie erkenne ich, ob jemand wirklich approbiert ist?

Über das öffentliche Mitgliederverzeichnis der Psychotherapeutenkammer des Bundeslandes. Wer zusätzlich einen Kassensitz hat, steht im Arztregister der Kassenärztlichen Vereinigung und ist über deren Arztsuche zu finden. Zwei Minuten, die du dir vor der ersten Sitzung nehmen kannst.


Ersetzt eine App auf Rezept eine Therapie?

Nein. Eine digitale Gesundheitsanwendung ist ein strukturiertes Programm, kein Gegenüber. Sie eignet sich zur Überbrückung und als Ergänzung. Im BfArM-Verzeichnis steht außerdem, ob eine Anwendung dauerhaft oder nur vorläufig aufgenommen ist, und vorläufig heißt, dass der Wirksamkeitsnachweis noch läuft.


Was frage ich im ersten Gespräch?

Vier Dinge tragen weit: Welche Ausbildung hast du und wo bist du eingetragen? Wie arbeitest du bei meinem Anliegen konkret? Was kostet eine Sitzung, und wie rechnest du ab? Woran merken wir beide, dass es nicht passt? Die letzte Frage sagt dir am meisten.


Über Spine App

Spine App ist eine kostenlose App, die dich bei deiner Gesundheit begleitet: Sie führt dich zu echten Menschen, die helfen – schulmedizinisch, ganzheitlich oder beides –, lässt dich Sessions direkt buchen und fragt hinterher nach, was geholfen hat.


Geschrieben vom Spine App Editorial Team. Zuletzt aktualisiert September 2026.

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Über das Editorial Team

Die Redaktion der Spine App schreibt darüber, wie du die passende Hilfe findest: Therapie, Coaching und ganzheitliche Verfahren, schulmedizinisch, ganzheitlich oder beides. Jeder Artikel erklärt, was eine Methode leisten kann und wo ihre Grenzen liegen, und nennt Quellen, wo es um Fakten geht. Spine App ist kostenlos und begleitet dich zu echten Menschen, die helfen, und zu einer Gemeinschaft, die versteht.

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