Nicht-direktive Therapie: Was sie ist und wie sie funktioniert
- Sylvia Leifheit

- 9. Aug.
- 11 Min. Lesezeit

Die nicht-direktive Therapie, auch personenzentrierte, klientenzentrierte oder Rogers-Therapie genannt, ist ein humanistischer Ansatz, bei dem der Klient Tempo und Ziele der Behandlung bestimmt, während der Therapeut ihm bedingungslose Wertschätzung, echtes Einfühlungsvermögen und Kongruenz entgegenbringt. Sie wird häufig bei Angstzuständen, Depressionen, traumabedingten Anpassungsschwierigkeiten, Trauer und Identitätskrisen eingesetzt. Der Therapeut gibt keine Hausaufgaben, interpretiert kein Verhalten und lenkt das Gespräch nicht. Vielmehr ist die Beziehung selbst der wichtigste Wegbereiter für Veränderung.
Kurzübersicht:
Nicht-direktiv = personenzentriert = klientenzentriert = Rogers'sche Therapie – alles Bezeichnungen für denselben Ansatz
Kernkompetenzen des Therapeuten: bedingungslose positive Wertschätzung, präzise Empathie, Kongruenz (Authentizität)
Häufige Beschwerden: Depressionen, Angstzustände, PTBS, Trauer, Lebensübergänge, Identitätsfragen
Setting: Einzeltherapie, Gruppentherapie, Primärversorgung und kindzentrierte Spieltherapie
Inhaltsverzeichnis
Was sagt die Forschung über die Wirksamkeit nicht-direktiver Therapie?
Wie unterscheidet sich die nicht-direktive Therapie von den direktiven Ansätzen?
Wie findet und wählt man einen nicht-direktiven Therapeuten aus?
Argumente dafür, dem Kunden mehr zu vertrauen als der Methode
Die Spine-App kann Ihnen helfen, den passenden personenzentrierten Therapeuten zu finden.
Wie entwickelte Carl Rogers die nicht-direktive Therapie?
Carl Rogers entwickelte den personenzentrierten Ansatz in den 1940er Jahren, einer Zeit, in der Psychoanalyse und Behaviorismus die klinische Praxis dominierten. Beide Modelle sahen den Therapeuten als Experten: Der Analytiker interpretierte unbewusstes Material, der Behaviorist formte Verhalten durch strukturierte Verstärkung. Rogers brach mit beiden, indem er argumentierte, dass Klienten bereits das Potenzial für Entwicklung in sich tragen und die Aufgabe des Therapeuten darin besteht, Bedingungen zu schaffen, die deren Entfaltung ermöglichen.
In den 1950er Jahren machte er das Modell einem breiten Publikum bekannt und verortete es innerhalb der humanistischen Psychologie, neben Persönlichkeiten wie Abraham Maslow. Die Terminologie veränderte sich im Laufe der Zeit. Rogers nannte die Methode zunächst „nicht-direktive Beratung“, um das Fehlen einer vom Therapeuten vorgegebenen Richtung zu verdeutlichen. Später bevorzugte er den Begriff „klientenzentriert“, um die Autorität im Therapeuten zu betonen, und schließlich „personenzentriert“, um eine umfassendere Philosophie widerzuspiegeln, die über den Therapieraum hinaus Gültigkeit hat.
Diese Entwicklung in der Namensgebung hat praktische Bedeutung. Wenn Sie heute nach einem Therapeuten suchen, werden Sie möglicherweise auf alle drei Bezeichnungen stoßen. Sie beschreiben denselben grundlegenden Ansatz.
Was sind die Kernprinzipien der nicht-direktiven Therapie?
Drei Bedingungen definieren den Ansatz, und Rogers hielt alle drei für notwendig, damit eine therapeutische Veränderung eintreten kann.
Unbedingte positive Wertschätzung: Der Therapeut akzeptiert den Klienten vollumfänglich, ohne zu urteilen oder Bedingungen zu stellen. Dies bedeutet nicht, jedes Verhalten gutzuheißen; es bedeutet, dass der Wert des Klienten während der gesamten Sitzung niemals in Frage gestellt wird.
Genaue Empathie: Der Therapeut versucht, die Erfahrung des Klienten von innen heraus zu verstehen, nicht als Außenstehender. Aktives Zuhören ist dabei das wichtigste Werkzeug.
Kongruenz (Authentizität): Der Therapeut ist authentisch und versteckt sich nicht hinter einer professionellen Rolle. Wenn etwas im Therapieraum als bedeutsam empfunden wird, kann ein kongruenter Therapeut es ehrlich benennen.
Ein häufiges Missverständnis ist, dass nicht-direktiv gleichbedeutend mit passiv oder schweigsam sei. Das ist nicht der Fall. Erfahrene Therapeuten begleiten Klienten aktiv bei der Selbsterforschung durch Reflexion, Klärung und gezieltes Zusammenfassen. Ziel ist es, Klienten zu helfen, ihr eigenes Denken wahrzunehmen und weiterzuentwickeln, nicht sie ohne Unterstützung zu lassen.
So sieht das in der Praxis aus: Eine Klientin kommt und beschreibt einen Konflikt mit einem Elternteil, den sie nicht lösen kann. Sie sagt, sie fühle sich schuldig, aber auch wütend. Eine nicht-direktive Therapeutin schlägt ihr nicht vor, Grenzen zu setzen, eine kognitive Verzerrung zu hinterfragen oder die Bindung in der Kindheit zu erforschen. Stattdessen reflektiert die Therapeutin: „Es klingt, als wären beide Gefühle gleichzeitig real für Sie, und diese Spannung ist schwer auszuhalten.“ Die Klientin hält inne und sagt dann: „Ja, und ich glaube, die Schuldgefühle haben eigentlich mit etwas Älterem zu tun.“ Dieser Perspektivenwechsel kam von der Klientin selbst. Die Reflexion der Therapeutin hat den Raum dafür geschaffen.
„Die therapeutische Beziehung selbst dient in der personenzentrierten Therapie als primäres Instrument für Wachstum; die Anwesenheit beim Klienten – durch Präsenz, Empathie und Akzeptanz – ist der wichtigste Faktor für Veränderung.“ (NCBI Bookshelf, Personenzentrierte Therapie (Roger-Therapie))
Zentrale therapeutische Haltungen wie Kongruenz und empathisches Verständnis stehen, wenn sie gekonnt angewendet werden, in einem beständigen Zusammenhang mit besserem Engagement und besseren Behandlungsergebnissen.

Was geschieht eigentlich in einer nicht-direktiven Sitzung?
Die Sitzungen beginnen üblicherweise mit einer offenen Einladung statt mit einer festgelegten Agenda. Der Therapeut fragt vielleicht: „Was beschäftigt Sie heute?“ oder wartet einfach ab. Von da an gibt der Klient die Richtung vor.
Das Repertoire des Therapeuten ist bewusst begrenzt. Zu den Techniken gehören:
Aktives Zuhören: Den emotionalen Gehalt dessen, was der Klient sagt, widerspiegeln, nicht nur die Fakten.
Paraphrasieren: Die Worte des Kunden in leicht abgewandelter Form wiedergeben, um das Verständnis zu überprüfen.
Offene Einladungen: Fragen wie „Können Sie das näher erläutern?“ anstatt „Warum haben Sie X getan?“
Bewusstes Schweigen: Nach einer wichtigen Aussage Raum lassen, anstatt ihn damit zu füllen.
Eine sanfte Zusammenfassung: Die vom Klienten angesprochenen Themen werden zusammengeführt und als vorläufige Beobachtung anstatt als Schlussfolgerung präsentiert.
Es werden keine Ratschläge erteilt. Es werden keine Hausaufgaben aufgegeben. Der Fortschritt wird anhand des eigenen Bewegungsempfindens des Klienten gemessen, nicht anhand von Symptomchecklisten, die zwischen den Sitzungen ausgefüllt werden.
Nicht-direktive Spieltherapie für Kinder

Bei Kindern gelten dieselben Prinzipien, nur in einem anderen Medium. Die nicht-direktive Spieltherapie ermöglicht es Kindern, Gefühle spielerisch auszudrücken, während der Therapeut beobachtet, reflektiert und dem Kind folgt, anstatt die Aktivitäten zu lenken. Ein Kind, das eine familiäre Krise erlebt hat, arrangiert vielleicht wiederholt Spielfiguren in Konfliktsituationen und löst diese anschließend auf. Der Therapeut interpretiert dies nicht laut und lenkt das Spiel nicht. Stattdessen sagt er sanft: „Das Kleine entfernt sich jetzt von den anderen.“ Diese Reflexion würdigt die Erfahrung des Kindes, ohne ihr eine erwachsene Bedeutung aufzuzwingen.

Die Association for Play Therapy stellt Praxisstandards und Ressourcen für Therapeuten bereit, die in diesem Bereich arbeiten. Entwicklungsbedingte Aspekte spielen eine wichtige Rolle: Jüngere Kinder kommunizieren symbolisch durch Spielzeug und Kunst; Jugendliche bevorzugen oft gesprächsbasierte Sitzungen mit derselben nicht-direktiven Haltung.
Was sagt die Forschung über die Wirksamkeit nicht-direktiver Therapie?
Die Evidenzbasis ist umfangreich, wenn auch nicht undifferenziert. Metaanalysen und Studien zeigen, dass personenzentrierte und nicht-direktive unterstützende Therapien bei Depressionen und Angstzuständen wirksam sind . Einige Studien belegen sogar die Nicht-Unterlegenheit gegenüber der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) zu bestimmten Nachbeobachtungszeitpunkten. Längerfristige Vergleiche liefern uneinheitlichere Ergebnisse, und die Studiendesigns variieren erheblich.
Einige praktische Signale stechen hervor:
Die Abbruchraten sind tendenziell niedriger als bei manchen anderen Therapieformen, was in der Praxis von Bedeutung ist, wo die Bindung der Patienten an die Therapie eine ständige Herausforderung darstellt.
Anwendbarkeit bei geringem Ressourcenaufwand: Nicht-direktive Methoden können von Fachkräften mit weniger formaler Psychotherapieausbildung, wie z. B. Pflegekräften in der Primärversorgung, angewendet werden , wenn keine strukturierten Therapien zur Verfügung stehen.
Trauma und Anpassung: Der Ansatz wird häufig bei posttraumatischen Belastungsstörungen und als alternative Behandlungsmethode bei emotionalen Traumata eingesetzt, wobei Sicherheit und ein angemessenes Behandlungstempo Priorität haben.
Die Forschungslage weist deutliche Schwächen auf. Die Definitionen von „nicht-direktiv“ variieren in den verschiedenen Studien, die Einhaltung des Modells durch die Therapeuten wird uneinheitlich gemessen, und einige Kritiker weisen darauf hin, dass der nicht-direktive Ansatz für manche Klienten nicht ausreichend Struktur bietet , was die konsistente Messung der Ergebnisse erschwert. Weitere Forschung mit standardisierten Messinstrumenten zur Erfassung der Modelltreue ist erforderlich.
„Studien in pragmatischen und ressourcenarmen Kontexten zeigen eine Symptomreduktion unabhängig von der Therapieform; unterstützende Beratung erwies sich als auf nicht spezialisierte Therapeuten übertragbar.“ NCBI Bookshelf, Personenzentrierte Therapie (Roger-Therapie)
Wie unterscheidet sich die nicht-direktive Therapie von den direktiven Ansätzen?
Die praktischen Unterschiede zwischen nicht-direktiven und direktiven Therapien laufen letztlich darauf hinaus, wer die Kontrolle hat.
Dimension | Nicht-direktiv (personenzentriert) | Direktive Ansätze (z. B. kognitive Verhaltenstherapie, lösungsorientierte Ansätze) |
Therapeutenrolle | Moderator; folgt den Anweisungen des Klienten | Aktiver Leitfaden; führt in Techniken und Strukturen ein |
Sitzungsstruktur | Offen, vom Kunden bestimmt | Agendaorientiert; Hausaufgaben üblich |
Kerntechniken | Aktives Zuhören, Empathie, Stille | Gedankenprotokolle, Verhaltensexperimente, Zielleitern |
Typische Dauer | Offenes Programm; oft 12–24+ Sitzungen | Oft zeitlich begrenzt (8–20 Sitzungen für CBT-Protokolle) |
Optimale Profile | Autonomiepräferenz, Trauer, Identitätsarbeit, komplexe emotionale Verarbeitung | Spezifische Symptomziele (Phobien, Zwangsstörungen, Panikattacken), Kompetenzdefizite |
Beweiskraft | Wirksam bei Depressionen/Angstzuständen; gemischte Ergebnisse im Vergleich zu kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) langfristig | Starke RCT-Basis für spezifische Erkrankungen |
Der Zielkonflikt ist real. Nicht-direktive Therapie bietet Tiefe und Autonomie; direktive Ansätze bieten Struktur und symptomspezifische Techniken. Keiner der beiden Ansätze ist generell überlegen. Jemand, der eine Trauer oder einen wichtigen Lebensübergang verarbeitet, empfindet den offenen Raum einer personenzentrierten Arbeit möglicherweise als hilfreicher als ein strukturiertes Protokoll. Jemand mit einer Panikstörung, der konkrete Bewältigungsstrategien benötigt, erlebt möglicherweise das Gegenteil.
Für Leser, die diese Optionen abwägen, ist ein einfacher Leitfaden für Familien zur personenzentrierten Pflege eine damit zusammenhängende Frage, die es wert ist, genauer untersucht zu werden.
Wer profitiert am meisten davon, und wann passt es nicht?
Personenzentrierte Therapie eignet sich tendenziell gut für Menschen, die:
Sie ziehen es vor, ihre eigenen Ziele zu setzen, anstatt einem vom Therapeuten erstellten Plan zu folgen.
Sie verarbeiten Trauer, Identitätsfragen, Beziehungsmuster oder Lebensübergänge?
Ich habe negative Erfahrungen mit stärker vorschreibenden Ansätzen gemacht.
Sind Jugendliche, die besser auf eine nicht-autoritäre therapeutische Haltung reagieren
Befinden sich in Umgebungen, in denen keine intensiven, strukturierten Therapien verfügbar sind
Dieser Ansatz hat seine Grenzen. Er ist im Allgemeinen nicht die erste Wahl, wenn:
Es liegt eine akute Krise vor: Suizidalität, aktive Selbstverletzung oder schwere Dissoziation erfordern eine strukturierte Sicherheitsplanung und häufig Kriseninterventionsprotokolle.
Spezifische Kompetenzdefizite sind die Ursache des Problems: Expositionstherapien bei Phobien oder Zwangsstörungen oder Kompetenztrainings bei emotionaler Dysregulation erfordern direktive Techniken, die die personenzentrierte Therapie nicht bietet.
Schwere kognitive Beeinträchtigungen erschweren die Aufrechterhaltung einer ergebnisoffenen Erkundung.
Bei aktiver Substanzabhängigkeit kommt es häufig zu motivierender Gesprächsführung oder strukturierter Rückfallprävention, wobei diese auch personenzentrierte Elemente beinhalten können.
Warnsignale, die eine Überweisung oder einen kombinierten Therapieansatz erforderlich machen, sind akute Suizidalität, schwere Dissoziation und Fälle, in denen die Sicherheitsplanung Vorrang vor der explorativen Therapie haben muss. In diesen Fällen kann eine nicht-direktive Therapie weiterhin sinnvoll sein, jedoch nicht als alleinige Methode.
Wie findet und wählt man einen nicht-direktiven Therapeuten aus?
Die Suche nach dem richtigen Therapeuten erfordert mehr als nur das Durchsuchen eines Verzeichnisses. Hier ist eine praktische Vorgehensweise:
Suchen Sie nach Therapeuten, die „personenzentriert“, „Rogerianisch“ oder „klientenzentriert“ als primären oder sekundären Ansatz angeben. Viele Therapeuten integrieren verschiedene Stile; fragen Sie daher direkt nach, wie zentral die Nicht-Direktivität in ihrer Praxis ist.
Prüfen Sie Ausbildung und Hintergrund. Ein Therapeut, der in humanistischen oder personenzentrierten Ansätzen durch ein Hochschulstudium oder ein postgraduales Zertifikat ausgebildet wurde, verfügt über eine solidere Grundlage als jemand, der dies lediglich als eine von vielen Modalitäten ohne nähere Erläuterung auflistet.
Bitte klären Sie das Sitzungsformat. Sowohl Videosprechstunden als auch Präsenztermine sind möglich. Nicht-direktive Arbeitsmethoden eignen sich gut für Videositzungen, obwohl manche Klienten die physische Anwesenheit bei Präsenzterminen als beruhigender empfinden.
Stellen Sie die Fragen im Erstgespräch direkt. Gute Fragen sind beispielsweise: „Wie gehen Sie üblicherweise mit der Zielsetzung mit Klienten um?“ „Was passiert, wenn ich zwischen den Sitzungen in eine Krise gerate?“ „Woran erkennen Sie, ob die Therapie wirkt?“
Besprechen Sie Kosten und Versicherung frühzeitig. In den USA können die Kosten für Einzeltherapiesitzungen je nach Therapeut und Standort stark variieren. Viele Therapeuten rechnen direkt mit der Versicherung ab oder bieten gestaffelte Gebühren an. Gemeindepsychiatrische Zentren bieten oft kostengünstigere Alternativen. Telemedizinische Plattformen haben den Zugang zu günstigeren Angeboten in vielen Bundesstaaten erweitert.
Rechnen Sie mit einem behutsamen Beginn. Die ersten Sitzungen in der nicht-direktiven Therapie fühlen sich oft eher explorativ als zielorientiert an. Das ist beabsichtigt und kein Zeichen dafür, dass nichts passiert.
Profi-Tipp: Fragen Sie einen potenziellen Therapeuten: „Wie sieht eine typische Sitzung bei Ihnen aus?“ Ein personenzentrierter Therapeut sollte beschreiben, dass er Ihren Bedürfnissen folgt und keine festgelegte Agenda vorgibt. Klingt die Antwort wie ein Lehrplan, passt es möglicherweise nicht.
Für alternative Ansätze zur Behandlung von Depressionen , die begleitend oder anstelle der personenzentrierten Therapie eingesetzt werden können, bietet diese Quelle eine Reihe unterstützender Optionen.
Wichtigste Erkenntnisse
Die nicht-direktive (personenzentrierte) Therapie ist am wirksamsten, wenn die therapeutische Beziehung selbst der Veränderungsmechanismus ist, und ihre Evidenzbasis ist am stärksten bei Depressionen, Angstzuständen und Anpassungsstörungen.
Punkt | Details |
Kerndefinition | Der Klient bestimmt Tempo und Ziele; der Therapeut bietet Empathie, bedingungslose positive Wertschätzung und Kongruenz. |
Stärkste Beweise | Wirksam bei Depressionen und Angstzuständen; Nichtunterlegenheit gegenüber der kognitiven Verhaltenstherapie wurde in Metaanalysen zu bestimmten Nachbeobachtungszeitpunkten nachgewiesen. |
Praktischer Vorteil | Die niedrigeren Abbruchquoten und die Anwendbarkeit in ressourcenarmen Umgebungen machen es in vielen Kontexten zu einer pragmatischen Option. |
Wann sollte man Alternativen in Betracht ziehen? | Akute Krisen, spezifische Phobien, Zwangsstörungen oder schwere kognitive Beeinträchtigungen erfordern in der Regel direktivere, strukturiertere Vorgehensweisen. |
Einen Therapeuten finden | Mit der Spine App können Sie nach Therapiestil und Sitzungsformat suchen, um den passenden personenzentrierten Therapeuten im Bereich der konventionellen und ganzheitlichen Behandlungsmethoden zu finden. |
Argumente dafür, dem Kunden mehr zu vertrauen als der Methode
Im Diskurs über psychische Gesundheit besteht die Tendenz, evidenzbasierte Therapie mit strukturierter, protokollgesteuerter Therapie gleichzusetzen. Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) wird am häufigsten zitiert, Expositionshierarchien sorgen für die meisten Schlagzeilen. Nicht-direktive Therapie hingegen wird mitunter als „unterstützende“ Option bezeichnet, als wäre Unterstützung eine minderwertige Form der Behandlung.
Diese Sichtweise übersieht etwas Wichtiges. Die Forschung zu den gemeinsamen Faktoren in der Psychotherapie zeigt durchweg, dass die therapeutische Beziehung einen erheblichen Anteil am Therapieerfolg in allen Therapieformen ausmacht. Die personenzentrierte Therapie stellt diese Beziehung explizit in den Mittelpunkt, anstatt sie als Kulisse für die angewandten Techniken zu nutzen. Für Klienten, denen jahrelang gesagt wurde, was sie denken, wie sie mit Problemen umgehen oder was ihre Gefühle bedeuten sollen, kann ein Therapeut, der einfach nur zuhört, ohne Hintergedanken zu haben, zunächst zutiefst verunsichern und dann auf subtile Weise transformierend wirken.
Die Grenzen sind ebenfalls real. Manche Menschen brauchen Struktur. Manche Problemstellungen erfordern spezifische Interventionen, die ein offener Ansatz nicht bieten kann. Ehrlich gesagt ist weder nicht-direktive noch direktive Therapie generell überlegen. Entscheidend ist die Übereinstimmung zwischen den Bedürfnissen des Klienten, den Fähigkeiten des Therapeuten und der Eignung des Ansatzes für das jeweilige Problem.
Was meiner Meinung nach an personenzentrierter Arbeit am meisten unterschätzt wird, ist der tatsächliche Kompetenzaufwand. Präzise zu reflektieren, Stille auszuhalten und dem Drang zu widerstehen, zu korrigieren oder Ratschläge zu geben, erfordert mehr Disziplin als das Befolgen eines Protokolls. Therapeuten, denen dies gut gelingt, leisten nicht weniger, sondern etwas Anspruchsvolleres.
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Zu wissen, welche Art von Unterstützung man benötigt, ist das eine. Einen Therapeuten zu finden, der diese Unterstützung auch tatsächlich anbietet, ist etwas ganz anderes. Die Spine App macht diese Suche konkret: Beschreiben Sie einfach in Ihren eigenen Worten, was Sie suchen, und die Plattform führt Sie zu Therapeuten, deren Ansatz, Sitzungsformat und Verfügbarkeit zu Ihrer Situation passen. Sie können nach Therapiestil filtern, darunter personenzentrierte und klientenzentrierte Ansätze, und zwischen Präsenz- und Online-Sitzungen wählen.
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Drei gleichwertige Behandlungswege stehen Ihnen zur Verfügung: konventionelle Therapie, ganzheitliche und alternative Ansätze oder eine Kombination aus beidem. Es gibt keine Hierarchie, keine allgemeingültige Empfehlung. Wenn Sie mit einem personenzentrierten Therapeuten zusammenarbeiten möchten, vergleichen Sie Profile, prüfen Sie dessen Vorgehensweise und nutzen Sie die Anamnesefragen aus diesem Artikel vor Ihrer ersten Sitzung. Starten Sie Ihre Suche in der Spine App und gehen Sie den nächsten Schritt in Ihrem eigenen Tempo.
Nützliche Quellen und weiterführende Literatur
Personenzentrierte Therapie (Roger-Therapie), NCBI Bookshelf – die primäre klinische Referenz für Kernbedingungen, Evidenz und Geschichte, die in diesem Artikel verwendet werden.
Spieltherapie: Ein fallbasiertes Beispiel für einen nicht-direktiven Ansatz, PMC — Peer-Review-Fallliteratur zur nicht-direktiven Spieltherapie mit Kindern und Jugendlichen
Nicht-direktive Psychotherapie, PMC – ein früher grundlegender Überblick über die nicht-direktive Tradition in der Psychotherapie
Direktive Psychotherapie, Britannica – leicht verständliches Nachschlagewerk mit Kritiken und historischem Kontext
Häufig gestellte Fragen
Worin besteht der Unterschied zwischen direktiver und nicht-direktiver Therapie?
In der direktiven Therapie setzt der Therapeut Ziele, weist Aufgaben zu und leitet die Sitzung mit spezifischen Techniken. In der nicht-direktiven Therapie gibt der Klient den Ton an, und der Therapeut begegnet ihm mit Empathie, bedingungsloser Wertschätzung und Kongruenz, ohne ihm Struktur oder Ratschläge aufzuzwingen.
Was ist ein Beispiel für nicht-direktive Spieltherapie?
Ein Kind arrangiert wiederholt Spielfiguren in Konfliktszenarien, während der Therapeut es beobachtet und einfühlsam reflektiert. Er folgt den Impulsen des Kindes, anstatt das Spiel zu lenken. Dies ermöglicht dem Kind, innere Erfahrungen auf einem altersgemäßen Niveau auszudrücken, wie in der fallbasierten Spieltherapie-Literatur dokumentiert.
Was ist ein Beispiel für direktive Therapie?
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist ein bekanntes, direktives Verfahren. Der Therapeut führt Gedankentagebücher ein, gibt Hausaufgaben für die Zeit zwischen den Sitzungen auf und leitet den Klienten durch strukturierte Übungen, die auf spezifische Symptome wie Panikattacken oder soziale Ängste abzielen.
Welches wäre ein Beispiel für nicht-direktive Psychotherapie?
Die personenzentrierte (Rogersche) Therapie ist das am häufigsten genannte Beispiel. Der Therapeut wendet aktives Zuhören und offene Fragen an, vermeidet es, Ratschläge zu erteilen, und überlässt es dem Klienten, die Themen jeder Sitzung selbst zu bestimmen.
Ist nicht-direktive Therapie bei Depressionen und Angstzuständen wirksam?
Metaanalysen belegen die Wirksamkeit für beide Gruppen, wobei einige Studien zu bestimmten Nachbeobachtungszeitpunkten eine Nicht-Unterlegenheit gegenüber der kognitiven Verhaltenstherapie nachweisen konnten. Längerfristige Vergleiche zeigen ein uneinheitlicheres Bild, und die Ergebnisse hängen von der Kompetenz des Therapeuten und der Passung zwischen Patient und Klient ab.
Wie lange dauert eine nicht-direktive Therapie in der Regel?
Die Sitzungen dauern in der Regel die übliche Therapiedauer, der Therapieverlauf insgesamt ist jedoch offen und richtet sich nach den Zielen und dem Tempo des Klienten. Es gibt kein festgelegtes Therapieprotokoll.
Kann mir die Spine-App helfen, einen personenzentrierten Therapeuten zu finden?
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